Die Geschichte der deutschen Frauenbewegungen beginnt mit der Gründung des ersten Bildungsvereins für Frauen in Leipzig im Jahr 1865. Seit dieser Zeit hat sich zwar viel getan, doch die Arbeit der Frauenorganisationen ist noch lange nicht abgeschlossen.

Die Anfänge

Unmittelbar nach der Revolution im Jahr 1848 herrschten in Deutschland konservative Kräfte. Diese verwehrten den Frauen das Recht auf Versammlungen im Rahmen politischer Veranstaltungen. Sowohl Frauenvereine als auch Demonstrationen und Streiks waren verboten. Das änderte sich erst nach der Thronbesteigung von Prinz Wilhelm, der viele Teilnehmer der Revolution begnadigte. Im Oktober 1865 wurde die erste Frauenkonferenz in Leipzig veranstaltet, die für Schlagzeilen in den Zeitungen sorgte. Auf dieser Konferenz wurde der erste deutsche Frauenverein ADF ins Leben gerufen. Dieser zog die Bildung weiterer Frauenorganisationen nach sich. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden zahlreiche Bildungsvereine für Frauen in Deutschland.

Der Krieg als Chance

Viele emanzipierte Frauen sahen im Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. Sie unterstützten die Soldaten an der Front. Viele Frauenvereine arbeiteten dabei zusammen und stellten ihre Solidarität unter Beweis. Die Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF) gründete daraufhin den „Nationalen Frauendienst (NFD)“. Ihre Aufgabe sah diese Organisation darin, Familien zu unterstützen, die durch den Krieg Angehörige verloren hatten, aber auch einen Fürsorgedienst für Verwundete und Kriegsinvalide zu gewährleisten. Die Mitarbeiterinnen des NFD waren vor allem in der Kinderbetreuung und der Krankenfürsorge tätig und bauten Volksküchen auf. Parallel zu diesen Organisationen gab es jedoch auf pazifistische Frauenbewegungen, die den Krieg scharf verurteilten.

Die Einführung des Frauenwahlrechts

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Deutschland schließlich das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Bei den Wahlen 1919 beteiligten sich neunzig Prozent aller wahlberechtigten Frauen und bestimmten über die Zukunft der Republik mit. Viele weibliche Abgeordnete traten in das Parlament ein.

Im Zeitraum von 1920 bis 1932 wurden insgesamt 111 weibliche Abgeordnete in die Regierung gewählt. Ihnen gelang es, zahlreiche Frauengesetze erfolgreich einzubringen. Darunter das Jugendwohlfahrtsgesetz, das Gesetz zur Zulassung von Frauen als Richterinnen, die Einführung von Mindestlöhnen für Heimarbeiterinnen sowie ein erweitertes Mutterschutzgesetz. In dieser Zeit dominierte die „neue Frau“ mit Bubikopf und kurzem Rock die Gesellschaft, und eine Universität hatte sogar eine Fußballmannschaft, die sich aus Frauen zusammensetzte.

Die NS-Zeit

In der NS-Zeit pausierte die Frauenbewegung vorerst. Einrichtungen abseits der NSDAP wurden grundsätzlich verboten oder aufgelöst. In dieser Zeit wurden die Frauenrechte erneut beschnitten. Die Frau wurde in die Familie und in die Mutterrolle zurückgedrängt. Zwar gab es nationalsozialistische Frauenbewegungen, doch diese propagierten in erster Linie die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter. Frauen sollten sich in das häusliche Leben zurückziehen und den Mann lediglich unterstützen. Im Jahr 1945 wurde die Frauenorganisationen der NSDAP schließlich von den alliierten Kontrollorganen aufgelöst.

Frauenorganisationen nach 1945

Nach dem Umsturz und dem Kriegsende formierten sich erneut Frauenbewegungen in Deutschland. Nach 1945 entstanden viele überparteiliche Frauenausschüsse. Diese Ausschüsse informierten die Frauen vor allem über aktuelle politische Vorgänge und animierten sie dazu, sich an politischen Prozessen aktiv zu beteiligen. Im Mai 1949 formierte sich schließlich der Deutsche Frauenring, der mehrere Ausschüsse vereinte. Als Dachverband der Frauenbewegungen entstand allerdings erst im Jahr 1969 der DF, der Deutsche Frauenrat. Die Verankerung des Grundsatzes der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft im Grundgesetz stellte den größten Erfolg der Frauenbewegungen nach 1945 dar.

Die Einführung des Frauenwahlrechts sowie die Verankerung des Gleichberechtigungsgrundsatzes im Grundgesetz markieren die Meilensteine der nationalen Frauenbewegungen in Deutschland.